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Klima-Krieg: Wie die Erderwärmung Konflikte verschärft

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Die Klimakrise kommt nicht. Sie ist schon da. Machen wir weiter wie bisher, wird es weltweit im Durchschnitt um sechs Grad wärmer, als es vor Beginn der Industrialisierung war. Man wolle die Erderwärmung auf zwei Grad verglichen mit der Zeit vor der Industrialisierung begrenzen“, heißt es im Klimabakommen von Paris. Besser seien 1,5 Grad. Das war 2015. Passiert ist seitdem nicht viel. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steigt weiter und damit die Temperaturen- trotz Corona-Pandemie.

Die meisten Veränderungen, die wir in Wetter und Klima jetzt erleben, hat der Bericht des Club of Rome schon Anfang der 70er Jahre vorhergesagt. 1988 warnten 300 Wissenschaftler in Toronto vor einem Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur um bis zu 4,5 Grad bis 2005. Die Folgen seien „so schlimm wie ein Atomkrieg“. In einer Reportage beschreibt der US-amerikanische Autor Nathaniel Rich in der New York Times, wie die US-Präsidenten Reagan und Bush unter Druck der Ölindustrie in den 80er Jahren eine Umstellung der US-Wirtschaft auf weniger Energieverbrauch und mehr Nachhaltigkeit verhindert haben. Forscher der NASA und andere hätten schon Ende der 70er Jahre „sehr genau verstanden, dass die Verbrennung fossiler Energieträger die Erde in eine neue Heißzeit bringt.“ Nun hat sie begonnen.

Konflikttreiber

Heißer werden damit auch die weltweiten Konflikte. Die meisten Menschen wollen so leben wie die Mehrheit in Mitteleuropa oder Nordamerika: Mindestens ein Auto vor der Tür, alle zwei Jahre ein neues Smartphone, Billigflüge in den Urlaub und jede Menge Zeug kaufen, von dem wir gestern noch gar nicht wussten, dass wir es morgen nicht mehr brauchen werden. Die Entsorgung übernehmen Slumbewohner in Indien, Pakistan oder Westafrika für uns: Sie schlachten ohne Schutzkleidung unseren Konsummüll aus, vergiften und verätzen sich dabei und was übrig bleibt, versickert im Boden. Plastikmüll liefern wir als Recyclinggut deklariert nach Ostasien, wo er dann im Meer landet. Und wo kämen wir hin, wenn das alle so machen würde? Nicht sehr weit. Würden alle so leben wie wir, bräuchten wir etwa vier Erden. Rechnet man den deutschen Ressourcenverbrauch auf die Welt hoch, wären es drei. Der Kampf um die knappen Ressourcen wird sich weiter verschärfen. 

Schmelzende Gletscher, vertrocknetes Land

Schmelzen die Gletscher im Himalaya und in den Anden, sitzt in Südamerika und Südostasien irgendwann ein Fünftel der Menschheit auf dem Trockenen. Den großen Flüssen in Indien, Süd- und Indochina geht das Wasser aus. Seit 1980 ist schon ein Drittel der Gletscher weggetaut. Schon heute leben nach Informationen von Worldwatch 1,4 Milliarden Menschen in „Gebieten mit Wasserknappheit“. 2050 werden es fünf Milliarden sein. Allein vom Wasser aus dem Himalaya hängen etwa 500 Millionen Menschenleben ab. Laos und der Süden Vietnams zum Beispiel leben am und vom Wasser des Mekong. Ohne Wasser kein Reis, kein Obst kein Gemüse. 

Auch in anderen Weltregionen verknappt der Klimawandel die Ressourcen, die die Menschen zum Leben brauchen. Schon heute gelten 40% der Landflächen als „Trockengebiete“ und die Wüsten breiten sich weiter aus. Dürren, Stürme und Überschwemmungen treffen vor allem diejenigen, die ohne Rücklagen mit dem auskommen müssen, was sie ihrem kargen Boden abringen. Es sind die Armen.

Dürre-Bürgerkrieg

Dem Bürgerkrieg in Syrien ging die längste Dürreperiode voraus, die das Land je erlebt hat. Einer Studie des US-Klimatologen Colin Kelley zufolge sind zwischen 2006 und 2010 etwa 1,5 Millionen Syrerinnen und Syrer in Städte gezogen – auch weil ihr vertrocknetes Land sie nicht mehr ernährt. Gewaltsam ausgetragene Konflikte entstehen aus der Not, wenn weitere Faktoren die Situation verschärfen. Das Assad-Regime strich zum Beispiel die Subventionen für Grundnahrungsmittel. Es verschrieb sich einer neoliberalen Wirtschaftspolitik, das die Opfer der Dürre ohne staatliche Hilfe sich selbst überließ. „Der Klimawandel hat in Syrien das Tor zur Hölle geöffnet“, schieb der damalige US-Vizepräsident Al Gore und Barack Obama analysierte nach Beginn des Krieges:  „Dürre, Ernteausfälle und teure Lebensmittel haben geholfen, den frühen Konflikt zu befeuern.“

Auch in anderen Weltgegenden , vor allem in der Sahelzone, befeuert die Erderwärmung Konflikte. Ein Grund mehr, sie zu stoppen.

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Geschrieben von Robert B. Fishman

freier Autor, Journalist, Reporter (Radio und Printmedien), Fotograf, Workshop-Trainer, Moderator und Reiseleiter

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